Calais/Dunkerque Team 1

22. November 2016 – 29. November 2016

Nachdem sich die Situation in Griechenland durch die staatliche Organisation der Militärcamps für Geflüchtete zu stabilisieren scheint, wurden wir auf einen anderen Hotspot den „Jungle von Calais“ aufmerksam. Es handelte sich dabei um ein großes Flüchtlingscamp im Norden Frankreichs, das bereits über ein Jahr existierte. Die meisten Flüchtlinge versuchen von dort in das nahe gelegene Großbritannien zu kommen, da dort in vielen Fällen bereits Familienmitglieder leben. Wir wussten bereits länger über die Situation Bescheid, aber entschieden uns erst jetzt aufgrund der Verbesserung in Griechenland und der Verschlechterung in Calais für diesen Einsatzort.

Ursprünglich wollten Sarah und Julia bereits Ende Oktober/Anfang November nach Calais in den „Jungle“ los starten. Nachdem sich jedoch genau zu diesem Zeitpunkt die Räumung des Jungles ankündigte – und aus diesem Grund nur Volontär_innen gebraucht wurden, welche bereits gut mit Calais und der Situation vertraut waren – beschlossen wir kurzerhand den Einsatz etwas nach hinten zu verschieben und abzuwarten, wie sich die Situation verändert.

Ende November war es dann soweit, mit einem voll bepackten Auto und einem großen Anhänger, welche uns beide von dem Unternehmer Franz Gugler von Dens-Lab zur Verfügung gestellt wurde – auch hier noch einmal ein herzliches Dankeschön! – gings los nach Calais. Dadurch war es uns möglich, viele dringend benötigte Hilfsgüter nach Nordfrankreich mitzunehmen.

Bereits im Vorhinein standen wir in regelmäßigen Kontakt mit der Organisation „Care4Calais“, die bereits seit 14 Monaten Flüchtende versorgen. Nach unserer Ankunft, arbeiteten wir auch gleich mit mit den Freiwilligen der Organisation zusammen. Schon sehr bald stellten wir fest, dass sich die Situation nach der Räumung des „Jungles“ sehr stark verändert hat. Zu den Aufgaben der Freiwilligen gehört jetzt vor allem neu ankommende geflüchtete Menschen zu versorgen, Sachspenden zu sortieren und zu transportieren, aber auch die Begleitung von geflüchteten Menschen bei Gerichtsverfahren. Nach der Räumung des „Jungles“ wurde ein Großteil der Geflüchteten in sogenannte CAO´s (Orientierungszentren) oder anliegende Camps, wie das Camp in Dunkerque gebracht. Auch hier ist es wichtig mit den Menschen in Kontakt zu bleiben und sie zu begleiten.

Bereits an unserem zweiten Tag in Calais haben auch wir Kontakt zu dem Camp in Dunkerque aufgenommen, wo vor allem die Versorgung der Grundbedürfnisse im Fokus stand. Das Camp liegt etwa eine halbe Stunde nördlich von Calais und derzeit leben dort etwa 1200 Menschen, darunter auch viele Familien und Kinder. Es handelt sich um Menschen aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran, Syrien, Eritrea, Somalia, Armenien und anderen ostafrikanischen Ländern. Der Großteil sind kurdische Personen. Die Menschen leben dort in kleinen Hütten und es gibt neben einem Womens Centre, auch eine Childrens Area und die German Kitchen, die zweimal täglich warmes Essen zur Verfügung stellt. Die Arbeit im Camp, basiert zum größten Teil auf freiwilligen Helfer_innen. Nachdem wir zum Womens Centre guten Kontakt aufbauen konnten, haben wir auch einen Teil unserer Sachspenden (Rucksäcke, Schlafsäcke, Decken, Thermosflaschen, etc.) dorthin gebracht, aber auch andere dringend benötigte Sachgüter, wie Taschenlampen oder Hygieneartikel eingekauft. Taschenlampen sind vor allem aus dem Grund so notwendig, da in den kleinen Holzhütten in denen die Menschen leben kein Licht und auch kaum ein Fenster ist. Wir haben deshalb 150 Kurbeldynamo-Taschenlampen gekauft, welche man per Handkraft aufladen kann, um den Flüchtenden zumindest eine kleine Lichtquelle zur Verfügung zu stellen. Immerhin wird es in Nordfrankreich um diese Jahreszeit bereits kurz nach fünf Uhr dunkel und erst um etwa halb neun in der Früh wieder hell.

Das hat auch zur Folge, dass sich viele Frauen und Kinder davor fürchten, in der Dunkelheit ihre Schlafstätte zu verlassen. Schockierend war für uns vor allem, dass wir neben Windeln für Babys auch über 200 Windeln für Erwachsene zum Womens Center gebracht haben, da es in der Nacht einfach zu gefährlich ist alleine durchs Camp auf die Toilette zu gehen.

Zudem haben die Unterkünfte den Nachteil, dass sie nicht wirklich wasserfest sind und sehr schnell von Schimmel befallen werden. Gemeinsam mit anderen Volontär_innen, konnten wir bei einem Projekt mithelfen, durch welches der Schimmel zum Teil entfernt und der weitere Befall gestoppt werden soll. Da in den Hütten meist mehrere Menschen oder Familien auf engstem Raum zusammenleben und es im Winter ständig nass und kalt ist, breitet sich der Schimmel extrem schnell aus und führt so zu einem enormen gesundheitlichen Risiko.

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Trotz dieser schwierigen Situation waren wir begeistert mit welch großartigen Menschen wir in Calais und Dunkerque zusammenarbeiten durften. Uns war vor allem wichtig neben der akuten Hilfe auch einen guten Überblick zur aktuellen Situation in Calais und Dunkerque zu bekommen, um weitere Einsätze koordinieren zu können. Das nächste Team startet nun bereits am 27.12., kurz nach Weihnachten und wir sind gespannt wie sich die Situation verändert hat.