Drama/Kavala Team 1

26. Juli 2016 – 12. August 2016

Selten läuft es so wie geplant, vor allem nicht, wenn man sich als Freiwillige in der Flüchtlingshilfe in Ländern wie Griechenland oder der Türkei engagiert. Geplant war die Fortsetzung des Izmir-Einsatzes, allerdings kam es kurz vor unserer Abreise zu dem Putsch in der Türkei, mit dem darauffolgenden Ausnahmezustand. Einige der Volontär_innen wollten daraufhin nicht mehr in die Türkei einreisen, die Ungewissheit und das Risiko waren zu hoch. Deswegen entschieden wir uns schweren Herzens nach langem Überlegen den Einsatz abzubrechen und statt dessen wieder nach Griechenland zu fahren.

Und so landeten wir, Stefan, Sarah, Julia und Ceyda im Militärcamp in Drama, wo wir vom medizinischen Team Kitrinos Healthcare gebeten wurden her zu kommen und mitzuarbeiten.
Wir waren schon sehr gespannt was uns in einem sogenannten Militärcamp erwarten würde. Das Camp in Drama zählt wohl zu einem der besten Camps wie wir im Laufe unseres Aufenthaltes feststellten. Das Camp ist eigentlich eine große alte Halle, in der sich die Bewohner aus gespannten Decken eigene Wohnbereiche abgetrennt haben, es gibt drei Mal täglich Essen von einer Cateringfirma, es gibt Waschmaschinen, Waschbecken, Duschen und Toiletten. Außerdem stand bereits ein Raum zum Unterrichten zur Verfügung. Wenn man da Idomeni im Hinterkopf hat, nimmt man eine ordentliche Verbesserung wahr. Doch das größte Problem bleibt auch hier – Mangel an Beschäftigung. Die Leute haben nichts zu tun, die Kinder laufen wild umher und bleiben, genauso wie die Erwachsenen bis spät in die Nacht auf. Bei etwa 280 Personen in einer Halle ist eine Lautstärke, bei der man schlafen kann nicht leicht möglich.

Trotzdem freuten wir uns wie wir am ersten Tag sahen, dass die Kids von griechischen Student_innen unterrichtet wurden und somit zumindest ein wenig Tagesstruktur hatten. Am Gelände des Camps befindet sich ausßerdem die Medizinstation, in der sich für Stefan die Möglichkeit bot vormittags und abends zu arbeiten. Wir Mädels fuhren weiter ins Militärcamp nach Kavala, wo wir gebeten wurden, die Kinder zu unterrichten. Begletiet wurden wir dabei immer von unserem Dolmetscher Saqr, der selbst im Camp Drama wohnte, gut englisch sprach und ab sofort voller Motivation dabei war.
In den ersten Tagen begannen wir vormittags bereits mit dem Englisch Unterricht für die Kinder in Kavala. Die jüngeren Kinder wurden von Saqr in Arabisch unterrichtet, wobei wir ihn dabei unterstützten den Unterreich überhaupt möglich zu machen. Somit verbrachten wir auch viel Zeit damit, Schulutensilien auf die Beine zu stellen, Schulrucksäcke für die Kids zu kaufen und mit Heften und stiften zu befüllen und Skripten samt Hausübungen zu verfassen.

Täglich wurden wir voller Vorfreude von den Kindern empfangen und bei der Frage, wer denn an die Tafel möchte, hatte ein jeder seine Hand in der Höhe. Hausübungen wurden eifrig gemacht und stolz liefen sie mit ihren kleinen Rucksäcken umher. Damit die Kleinkinder während des Unterrichts auch Beschäftigung erhielten, nahm sich Ceyda um die Kleinen an. Sie spielten, zeichneten oder sportelten ein bisschen. Der Vorteil war, dass Ceyda ein wenig kurdisch spricht und sich so mit einigen der Kindern unterhalten konnte. Nach etwa einer Woche verließ uns Julia und stattdessen war Kathi nun Teil unseres Teams. Auch sie konnte sich sofort einfinden, baute schnell Kontakt zu den Menschen auf und unterrichtete die Kinder.

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Da wir durch Stefans Arbeit in Drama auch dort immer wieder vorbei schauten und mit den Leuten ins Gespräch kamen, konnten wir einen guten eindruck davon bekommen, was es bedeutet in so einem Camp zu leben. Auch Stefan berichtete uns immer wieder aus der Medizinstation. Das Team wurde von den zwei Dometscher_innen Loqman und Sarah, die selbst im Camp wohnen, unterstützt ohne die die medizinische Arbeit unmöglich wäre.. Warum die Leute die Medizinstation aufsuchen ist sehr vielfältig. Viele (besonders Kinder) leiden unter Insektenbissen (welche auf die im Camp vorhanden Bettwanzen zurückzuführen sind). Aufgrund der Situation und der dort herrschenden Umstände ist das ein kaum zu bewältigendes Problem. Täglich kamen Patient_innen mit Verletzungen welche durch den Campalltag entstanden sind und ließen sich diese professionell versorgen. Da die Menschen auf engstem Raum leben verbreiten sich auch Infektionskrankheiten sehr schnell. Rachenentzündung, Husten und dazu Fieber war keine Seltenheit. Schwerwiegende Infektionskrankheiten waren glücklicherweise selten.

Neben all diesen akuten Erkrankungen betreute das Drama-Team auch noch eine überschaubare Anzahl an chronisch kranken Menschen. Diese Patient_innen leiden an Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Despressionen, Augenerkrankungen, Lebererkrankungen und Schwangerschaftskomplikationen. Ehemalige Kriegsverletzungen sind ebenfalls darunter. Stefan und das Team stellen sicher, dass die Kranken die richtigen Medikamente bekommen und ihnen das Leben im Camp so gut es geht erleichtert wird. Zu dem Aufgabenbereich gehört es auch, wenn nötig Krankenhausbesuche/aufenthalte zu organisieren, damit sie die Behandlung erhalten, die sie benötigen. Zum Teil hatten wir auch den Eindruck dass Besuche in der Medizinstation auch ein klein wenig Beschäftigung sein können.

Durch die Dolmetscherin Sarah erfuhren wir, dass die Frauen im Camp Interesse an einem Deutschkurs hätten. Denn der Großteil der Frauen hat um Familienzusammenführung mit ihren Ehemännern angesucht und die sind bereits in Deutschland oder Österreich. Gesagt, getan. Schon am nächsten Tag starteten wir mit etwa 20 Frauen den Deutschunterricht, der nun immer Abends stattfand. Wir waren begeistert wie schnell die Frauen lernten und welche Freude sie daran hätten, endlich wieder etwas Sinnvolles zu tun. Natürlich bekamen auch die Männer im Camp Wind von der Sache und baten uns ebenfalls um Deutschunterricht. So starteten wir, als unsere Volontärin Lisi dazustoß, ebenfalls mit dem Deutschkurs. Auf diese Weise kamen wir noch mehr in Kontakt mit den Personen. Wir lernten unglaublich gastfreundliche und großzügige Menschen kennen, die irgendwie versuchen ihr Leben zu leben. Wie so oft waren wir beeindruckt wie stark und optimistisch diese Menschen durchs Leben gehen. So konnten auch wir für uns einiges Lernen und uns was für unser Leben mitnehmen.

Nachdem Stefan, Sarah, Kathi und Ceyda Griechenland am 12. August nach über zwei Wochen intensiver Arbeit und spannenden Erfahrungen wieder verlassen mussten, setzte das neue Team bestehend aus Lisi, Sarah, Babsi uns Saskia die Arbeit fort.