Dunkirk Team 4

1. Februar – 14. Februar 2017

Dunkirk

Im Februar 2017 kamen Anna und Eva in Dunkirk im Norden von Frankreich an, wo sie von Camille aus dem Team 3 empfangen wurden. Fünf Tage später haben auch Laura, Nadja und Anup die Aktion Weitblick in Dunkirk unterstützt.

Das Ankommen war eine Herausforderung, da die Situation im Camp zu dieser Zeit eher unsicher war. Zum einen war das neue Women´s Center nach dem Brand im Jänner noch nicht fertig aufgebaut und der vorübergehende Raum zu klein, zum anderen war nicht klar, wie lange das Camp bestehen würde, da das Grundstück voraussichtlich nur bis März 2017 zur Verfügung stand.

Die meisten Menschen im Camp kommen aus dem kurdischen Teil des Iraks und aus dem Iran. Es leben dort relativ viele Babys, Kinder und junge Leute. Zu den Minderheiten zählen vor allem Frauen und Kinder, weshalb die Unterstützung durch das Women´s und Children`s Center überaus wichtig war, um einen Ort des Rückzugs und der Sicherheit bereit zu stellen. Die Frauen, Kinder und Männer sind generell sehr freundlich und hilfsbereit, die Atmosphäre ist angenehm, was die Arbeit ungemein erleichtert und verschönert hat.

Während unseres gesamten Aufenthaltes war es leider meistens regnerisch und die Shelter und Center sind dann fast nicht sauber zu bekommen. Alles geht etwas chaotisch zu.  Ein Grund dafür ist u.a., dass die meiste Arbeit von kleinen Zivilorganisationen wie der Aktion Weitblick gemacht wird und so die gemeinsame Koordination schwierig ist. Ein Vorteil jedoch ist, dass die freiwilligen Helfer und Helferinnen sehr motiviert, engagiert und flexibel sind, sie können so je nach Situation entscheiden, was zu erledigen ist.
Wir haben Großteils im Women´s Center gearbeitet und uns mit den anderen Freiwilligen dort vernetzt. Drei Tage nach unserer Ankunft konnte das neu gebaute Center eröffnet werden. Während unseres Einsatzes ist es mit jedem Tag gemütlicher, wind- und wetterfester und bunter geworden.

Jeden Tag haben wir das Center geputzt, aufgeräumt, bis zu Mittag die ersten Frauen und Kinder kamen. Gemeinsam haben wir gegessen (eine britische Organisation, hat gekocht/RCK- Refugee Community Kitchen) und Tee getrunken. Im Women´s Center wird die Grundversorgung für die Frauen sichergestellt. Jeden zweiten Tag werden dort Hygieneartikel, Baby- und Erwachsenenwindeln, Toilettenpapier, Batterien,… ausgegeben. Wir haben oft die Einkäufe dafür erledigt, um die Versorgung überhaupt gewährleisten zu können. Leider wird von Seiten der französischen Regierung sehr wenig bis gar nichts bereitgestellt, deshalb bedanken wir uns für die zahlreichen Geldspenden, die es uns ermöglichen, Produkte einzukaufen und an die Frauen auszuteilen.

Auch Mädchen zwischen dreizehn und achtzehn Jahren, die nicht mehr ins Children Center gehen wollen, kommen ins Women`s Center. Sie sind nur wenige, haben natürlich im Vergleich zu den kleineren Kindern andere Bedürfnisse, Themen und Wünsche. Die jugendlichen Mädchen sehnen sich nach einer „normalen“ Jugend. Die meisten von ihnen sind jeden Tag in den Englisch- oder Französischunterricht gegangen und haben fleißig gelernt. Für sie war es eine besondere Bereicherung mit jungen Helferinnen in Kontakt sein zu können.

Der Alltag ist für die Menschen im Camp anstrengend, weil die meisten keine wirklich sinnvolle Beschäftigung haben. Im Women`s Center versuchen die Freiwilligen den Tagesablauf zu strukturieren, um so viel Normalität wie möglich ins Camp zu bringen. Zusätzlich kommt jeden Nachmittag die Englischlehrerin und einmal die Woche auch die „Gynäkologen ohne Grenzen“ ins Center. Es war uns wichtig, dass die Frauen auch aktiv und vor allem kreativ den Tagesablauf mitgestalten können, weshalb wir angefangen haben mit ihnen zu handarbeiten, stricken, häkeln und zu malen. Eine große Hilfe für die Menschen im Camp sind freiwillige HelferInnen aus der Umgebung, vor allem auch aus Großbritannien, die für ein bis zwei Tage mit viel Materialien und Aktivitäten ins Center kommen.

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Da viele der Menschen im Camp versuchen, nachts in einem LKW nach Großbritannien zu gelangen und dabei meistens scheitern, sind sie am Tag müde und sehr erschöpft. Die Hauptlast tragen die Frauen, welche sich dann noch während des Tages um die Kinder kümmern müssen. Wir haben uns bemüht, die Frauen durch Zuwendung, wie Gespräche, Massagen udgl. emotional zu unterstützen und sie durch die Hilfe bei der Kinderbetreuung zu entlasten.
Während unseres Aufenthaltes haben wir nur von einer einzigen jungen Frau mitbekommen, dass sie es nach Großbritannien geschafft hat. Sie war hochschwanger und hat die Überfahrt mit ihrem Mann noch eine Woche vor dem Geburtstermin unternommen. So weit wir wissen geht es ihr und dem Baby gut.
Besonders wichtig war für uns die Reflexion des Tages im Team und der Austausch verschiedener Erfahrungen und Geschichten, die wir erlebt oder gehört haben. Wir sind sehr froh und dankbar mit so vielen interessante Menschen in Kontakt gekommen zu sein und von ihnen ihre ganz persönlichen Geschichten anvertraut bekommen zu haben. Wir werden mit diesen kostbaren Geschenken sehr verantwortungsvoll umgehen!

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