Idomeni Team 2

23. März 2016 – 3. April 2016

Nachdem unser Team 1, bestehend aus Kathi und Hanni, bereits gut in der Volontärstätigkeit im Camp in Idomeni inkludiert war, standen wir, Sarah, Samuel und Tamara am 23. März noch ganz am Anfang unseres Einsatzes. Wir entschieden uns, den Hänger nur mit diesen Dingen zu packen, die dringend benötigt wurden. Das heißt, wir erreichten Idomeni einen Tag später mit einer Hängerladung voll Schuhe, Zelte, Schlafsäcke, Decken, Unterwäsche, Isomatten, Socken, Babynahrung, Windeln, Babytragetüchern und ein paar Säcken Hauben, Handschuhe und Schals. Der Volontär_innentreffpunkt war nicht in Idomeni, sondern im Nachbarort Polykastro. Dort diente das Parkhotel als Infopoint und Treffpunkt, gegenüber befand sich das Warehouse. Wir selbst schliefen in einem besetzten Haus neben dem Hotel. Im Hotel fanden übrigens auch täglich um 20:00 Uhr Meetings für neue Volontär_innen statt.

Eineinhalb Tage konnten wir noch gemeinsam mit Kathi und Hanni verbringen, was sehr hilfreich war, weil wir sofort mitten im Geschehen waren und quasi eingeschult werden konnten. Wir begannen damit, die Kleiderausgabe von den zwei fortzusetzen (Einsatzbericht siehe Idomeni Team 1) und konnten bereits am ersten Tag unseren gesamten Hänger entleeren und vielen Menschen damit eine Freude machen! Außerdem machten wir unsere ersten Kontakte mit den Menschen im Camp. Dabei lernten wir eine syrische Familie kennen, die uns nachdem wir sie mit Kleidung und Babynahrung versorgt haben, zum Essen einluden. Irgendwie schräg, diese Familie, die hier in Europa fast nichts hat, teilt ihr Essen mit uns, während viele Menschen in Europa ihren Wohlstand nicht mit anderen teilen möchten. Diese Gastfreundschaft erlebten wir in diesen Tagen noch öfter.

Generell hat sich das Camp seit meinem letzten Einsatz verändert. 11.000 Menschen bewohnten nun mit Zelten die Felder, Gleise, leerstehende Häuser und den Bahnhof von Idomeni. Fast täglich fanden kleine Demonstrationen von Seiten der Flüchtlinge statt. Wir erlebten dabei ausschließlich gewaltfreie Proteste. Obwohl sich mittlerweile viele Organisationen und Volontär_innen eingefunden haben, gibt es noch viel zu tun und jede_r stößt an die eigenen Grenzen. Eine Versorgung von so vielen Menschen erfordert eben Maßnahmen, die in dieser Situation schwer umsetzbar sind. Dies hängt mit der hohen Fluktuation der Helfer_innen zusammen, aber auch mit der Unwissenheit, inwieweit sich die politische Lage noch verändern wird.

Den späteren Nachmittag verbrachten wir gemeinsam beim „Hummus Rights Projekt“. Die Leiterin dieses Projektes kannte ich bereits aus Lesbos und sie fragte uns, ob wir uns anschließen möchten. In diesem Rahmen bereiteten wir fast täglich zwischen 2000 und 3000 Foodpackes (Wrap + Wasser + Orange + Apfel)vor, welche wir dann am nächsten Morgen gemeinsam mit einem gekochten Ei an die Menschen verteilten. Das Arbeiten machte Spaß und wir lernten dadurch einige andere Volontär_innen kennen, so auch zwei Polen, die sich unserem Team anschlossen.

Bei der Essensausgabe benötigte man etwa 15 Volontär_innen, wobei uns auch immer „Refugeevolunteers“ unterstützten. Während vier von uns die Foodpackes ausgaben, waren zwei für den Nachschub in den Vans verantwortlich und die anderen versuchten, zwei Reihen (eine für Frauen + Kinder und eine für Männer) aufrecht zu erhalten. Die Ausgabe dauerte etwa 2 bis 3 Stunden und wir waren darum bemüht, dass sich niemand vordrängt oder schummelt. Dies war allerdings bei den Kindern sehr schwierig. Obwohl wir viele Menschen mit einem Foodpackage ausrüsten konnten, war die Schlange oft länger als unser Vorrat. Trotzdem erlebte ich beim Beenden der Ausgabe nie Aggression, obwohl die Leute in praller Sonnen gewartet haben. Da waren Probleme während der Ausgabe häufiger. Beispielsweise weil sich eben Leute vordrängten und sich dann ärgerten, weil wir ihnen kein Essen gaben. Doch dabei handelte es sich um Ausnahmen, meistens funktionierte es gut und die Menschen waren dankbar. So entschieden wir uns, sowohl beim Herrichten der Foodpackages, als auch beim Verteilen in der nächsten Zeit mitzuhelfen.

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Außerdem wollten wir unser eigenes kleines Projekt auf die Beine stellen und starteten damit an unserem 4. Tag. Die Idee war eine Malstation für Kinder zu errichten, wobei diese Standortflexibel ist, damit wir jedes Mal andere Kinder erreichen. Für diesen Zweck bauten wir aus Paletten kleine Tische auf und stellten den kleinen Künstler_innen Buntstifte und verschieden färbiges Papier zur Verfügung. Somit landete dieses Mal ein kleiner Teil unserer Spenden bei Stiften, Scheren und Ausmalheften. Und unsere Idee erlebte unglaublich positive Resonanz! Innerhalb von Minuten waren unsere Tische belegt mit bis zu etwa 30 Kindern und wir waren damit beschäftigt einen Überblick zu behalten. An manchen Tagen wurden wir von zwei weiteren Volontären unterstützt, was sehr hilfreich war, da ein paar Kinder besondere Aufmerksamkeit brauchten. Unsere Malstation bereitete also nicht nur uns, sondern auch den Kindern große Freude und wir bekamen viele Zeichnungen geschenkt. Außerdem bekamen wir so auch einen Zugang zu manchen älteren Geschwistern oder Eltern, mit denen wir uns auf Englisch unterhalten und so nebenbei auch ein wenig arabisch lernen konnten.

Innerhalb kürzester Zeit kannten uns viele Leute (vor allem Kinder) und es war schön durchs Camp zu gehen und begrüßt zu werden. Auch wenn sich dadurch die Ankunft am eigentlichen Zielort verzögerte, immerhin wollte sich jede_r von uns die Zeit nehmen, um mit den Menschen zu reden und mit den Mädchen und Burschen Klatschspiele zu spielen.

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Neben unseren Fixpunkten konnten wir auch einmal Reis und Babytragetücher im Camp verteilen. Mittlerweile haben sich viele Familien eine Feuerstelle eingerichtet, weswegen der Reis zum selber kochen sehr begehrt war. Auch die Babytragetücher hatten schnell eine_n neue_n Besitzer_in gefunden, immerhin gab es einfach so viele Babys in diesem Camp.

Dazu fällt mir eine Situation ein, die ich in den ersten paar Tagen erlebte. Eine Menschenmenge, bestehend aus einem Großteil Journalist_innen umkreiste eine Person aber ich konnte nichts Genaueres erkennen. Bis plötzlich Ärzt_innen mit einer Bare, wo eine bedeckte Person oben lag, an mir vorbei rannten. Ich erkundigte mich, was hier passiert sei und erfuhr, dass eine Frau dabei ist, ein Kind zu bekommen, den Ärzt_innen es aber lange nicht möglich war zu ihr zu gelangen, weil so viele Journalist_innen im Weg standen. So wichtig die mediale Berichterstattung auch ist, hier ging sie unserer Ansicht nach zu weit. Gerade eine Geburt ist eine der intimsten Momente und die Privatsphäre sollte geschützt werden.

Die zehn Tage in Idomeni sind viel zu schnell vergangen und wir wären gerne noch länger geblieben, immerhin haben wir eine gute Kombination an Tätigkeiten gefunden, von deren Notwendigkeit wir überzeugt waren. Außerdem konnten wir mit unseren Spenden Unterwäsche (diese wurde dringend benötigt), Zutaten für die Foodpackes für etwa 2500 Personen, Rettungsdecken und Zeichenutensilien einkaufen. Ein großes Danke an unsere Spender_innen!!