Izmir Team 2

2. Juli 2016 – 22. Juli 2016

Viki und ich (David) haben das Erste Team in Izmir abgelöst und deren Arbeit fortgeführt. Gott sei Dank war Georg, der schon einige Wochen Camperfahrung hatte noch einen Tag da um uns ein wenig einzuführen und uns mit allen Volontären zu vernetzen. Gleich an unserem ersten Tag hieß es also „Roadtrip“ zu zwei verschiedenen Camps rund um Izmir.

Um ca. 21. Uhr zurückgekommen war uns klar, dass wir eine spannende Zeit vor uns haben, der Bedarf der Menschen groß ist und ein Übersetzer äußerst wichtig sein wird. Da das medizinische Team (MedVint) für die nächsten Tage freie Plätze im Auto hatte, entschieden wir uns gemeinsam mit Ihnen zu fahren und sorgten für Kinderprogramm, während Medvint die Leute medizinisch versorgte. Unser Programm reichte dabei von einfachen Puzzle, Jenga, Memorys und Zeichenübungen hin zu Rechenaufgaben und Alphabetisierung. Die allermeisten Kinder besuchen keine Schule in der Türkei und beginnen schon sehr bald am Feld zu arbeiten (ca. mit 12 Jahren). So konnten wir den Kindern viele neue Spiele zeigen, die sie forderten und oft entwickelte sich auch ein Interesse an Dingen, wie Schreiben, Rechnen oder Englisch lernen. Die Aufmerksamkeit der Kinder war nicht schwierig zu gewinnen, vielmehr war es, insbesondere bei großen Gruppen oft nicht einfach, da keine 15 Kinder an einem Puzzle bauen können bzw. Memory mit 20 Leuten einfach chaotisch ist.

Nach ein paar Tagen Einführung mieteten wir schließlich unser eigenes Auto und waren fortan selbständig, mit eigenem Übersetzer und oftmals mit Unterstützung weiterer Volontäre aus Izmir unterwegs. Wir besuchten am Tag zwischen 2 und 4 Camps, in welchen wir zwischen 2 und vier Stunden blieben. Dies ermöglichte es uns auch mit den Zahnputzschulungen zu beginnen. Dafür bereiteten wir kleine Päckchen mit Zahnbürsten, Zahnpasten und Spülbechern (In den allermeisten Camps gibt es keine Waschbecken) vor, sodass wir die Materialien als vollständige Pakete verteilen konnten. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle SpenderInnen, die diese Produkte finanzierten.

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Wir hatten also wirklich eine tolle Zeit in den Camps, die uns und den Kindern meist zu kurz zu sein schien um alle Spiele auszuprobieren oder Rechenaufgaben fertig zu stellen.
Leider wurde unsere tägliche Arbeit schließlich vom Putschversuch am 15. Juli etwas durcheinander gebracht. Wenngleich es in Izmir zu wenigeUnruhen und Demonstrationen kam, wurde uns nocheinmal mehr bewusst dass wir uns ohne rechtliche Absicherung in einem Graubereich der türkischen Gesetzgebung befinden. Trotzdem setzten wir unsere Arbeit in Absprache mit den anderen Volontären vor Ort, fort. Der Einsatz wurde jedoch aufgrund der uneinschätzbaren Lage nicht vom nächsten Team fortgesetzt. Das tat uns natürlich sehr leid, weil Bildung nur durch Kontinuität passieren kann, doch war dies auch verständlich, da wir uns in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes auch wirklich viele Gedanken zu den damaligen Geschehnissen im Land machten.

Zumindest konnten wir viele unserer Spiele und Unterrichtsmaterialien an die Bewohner der Camps und auch der NGO ReVi weitergeben, sodass sie selbst weitermachen können.
Persönlicher Höhepunkt war für Viki und mich die Geburt eines Babys, die wir in einem Camp miterlebten. Wir verbrachten dabei die ganze Nacht in einem Camp bis schließlich kurz vor Sonnenaufgang ein kleines Mädchen umgeben von einer wundervollen Mama, einem tollen medizinischen Team inklusive einer sehr erfahrenen Hebamme des MedVint – Teams das Licht der Welt erblickte. Unter derartig einfachen Bedingungen (unvorstellbar für uns!) kam die Kleine schlussendlich frisch und munter zur Welt und zauberte uns allen, doch sehr erschöpften Voluntären nach einem 24h Stundeneinsatz in 3 Camps ein riesiges Lächeln aufs Gesicht.

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Schweren Herzens verließen wir Izmir, mit dem Wissen, dass wir als Europäer einfach in den Flieger steigen können um wieder zu unserem gewohnten Wohlstand zurückzukehren, während die Flüchtlinge rundum Izmir ohne Zukunftsperspektive den ganzen Winter in ihren Zelten ausharren müssen werden und noch länger.