Lesbos – Idomeni

22. Februar 2016 – 5. März 2016

Idomeni

Nachdem wir ein paar Wochen dafür nutzten, Vorträge zu machen und auch über Zeitung und Radio mit der Öffentlichkeit in Kontakt gingen, starteten Magdalena und ich, Sarah am 22. Februar 2016 unseren nächsten Einsatz. Dafür wurde uns von der Firma Mazda Bachleitner ein Kleinbus gesponsert, mit dem es uns möglich war, fast unser komplettes Kleiderspendenlager mit nach Griechenland zu nehmen. Unser erster Stopp fand in Idomeni, an der griechisch/mazedonischen Grenze statt, wo wir etwa die Hälfte der Sachspenden ausluden und ein paar Stunden bei der Kleiderausgabe mithalfen. Zu dieser Zeit befanden sich etwa 4000 Menschen in Idomeni. Wir überlegten ob wir hier bleiben sollten, entschieden uns dann allerdings dafür, unseren Trip nach Lesbos fortzusetzen.

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In Lesbos angekommen, konnten wir sofort die größten und relevantesten Camps kennen lernen, aber es war schwierig einen allgemeinen Überblick über die Situation der Insel zu bekommen. Lesbos war im Unterschied zu Chios nicht nur geografisch größer, sondern auch die Vielfalt an Flüchtlingscamps, NGO´s und Einrichtungen war höher. Somit ergaben sich auf Lesbos viele verschiedene Möglichkeiten als Volontärin Anschluss zu finden und mitzuwirken.

Wir machten zu Beginn im „Better Days for Moria Camp“ halt und konnten dort unseren Bus restlos entleeren. Die Kleidung und Schuhe wurden sofort zur Kleiderausgabe gebracht und weiter an die Leute verteilt. Neben diesem Camp befand sich das offizielle Registrierungscamp, allerdings war der Zugang für Volontär_innen nicht gestattet (ein paar NGO´s wie I AM YOU sind davon ausgenommen). Die anderen Camps sahen wir uns zwar an, waren aber für unsere weitere Arbeit nicht relevant. Unser nächster Weg ging an den Hafen von Mytilini (Hauptstadt von Lesbos). Dort verteilten Volontär_innen Kleidung und Rücksäcke an die Flüchtlinge, die mit der Fähre ans Festland fahren konnten. Wir halfen mit und konnten Kontakte zu den Menschen knüpfen, die an der Küste arbeiteten (vergleichbar mit der Küstenarbeit auf Chios). Somit entstand unser Plan, täglich von 4:00 Uhr bis etwa 8:00 Uhr an der Southcoast Patrouille zu fahren und die Flüchtenden, die mit Schlauchbooten ankommen, erstzuversorgen. Von etwa 9:00 Uhr bis 17:00 haben wir uns für die Tagschicht im „Better Days for Moria Camp“ (kurz BDfM Camp) eingeteilt.

Nachdem unsere erste „Frühschicht“ an der Küste ruhig verlief, begannen wir im Camp mitzuhelfen. Das Camp bestand aus mehreren Zelten, einer Medizinstation, einer Kleiderausgabe mit Geschlechtertrennung, einer 24-Stunden-Teeküche, einer Essensausgabe, einem kleinen Kinderspielplatz, einem Kiosk, einer Trinkwasserstation und Platz, an dem Projekte von Freiwilligen umgesetzt werden konnten. Beispielsweise ein Basketballkorb. Im Camp gab es verschiedene Möglichkeiten die Hilfe mitzugestalten, während wir Kleidung sortierten und ausgaben (hauptsächlich im „Familytent“ für Frauen und ihre Kinder), ergab sich für uns die Möglichkeit den „Shoe-recycling“-Bereich zu managen. Denn die Flüchtlinge, die neu ankommen bekamen, wenn es notwendig war, neue Schuhe und gaben dafür ihre her. Diese Schuhe wurden vom „Shoe-recycling Team“ geputzt und hergerichtet, damit sie der nächsten ankommenden Person gegeben werden können. Weil Schuhe seltener als andere Kleidungsstücke gespendet werden, sind Schuhe immer Mangelware. Deswegen empfanden wir dieses Projekt als sehr wertvoll und auch notwendig.

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Völlig unterschiedlich war dazu die Arbeit an der Küste. Wir entschieden uns für die frühen Morgenstunden, da zu dieser Zeit die meisten Boote ankamen und wir trotzdem auch die Tagesschicht im Camp machen konnten. Obwohl die Nächte zum Teil sehr ruhig verliefen, hatten wir trotzdem auch Schichten, bei denen wir voll eingeteilt waren. Da Magdalena ebenfalls Volontärserfahrung von Chios hatte, war ihr die Tätigkeit nicht neu und wir konnten sofort mit der Versorgung der Menschen starten. Mir fiel auf, dass ich mehr verletzte Personen wahrnehmen konnte als auf Chios und dass sich viel mehr Kinder unter den Ankommenden befanden. Bei einer Bootsankunft war ich damit beschäftigt Windeln zu verteilen und die Kleinsten in selbstgenähte Babyschlafsäcke (von einer Spenderin) zu stecken. Glücklicherweise waren aber die Nächte schon wärmer als noch Ende Dezember, weswegen das Risiko von Unterkühlungen geringer war. Nachdem wir die Menschen mit trockener Kleidung ausrüsten konnten, kam bereits der Bus, der sie ins Camp brachte.

Nach ein paar Tagen wurde unser Zwei-Frau-Team durch eine dritte Person ergänzt. Anna, unsere Fotografin und Volontärin, landete in Lesbos und war sofort mittendrin im Geschehen. Als wir dann wieder unsere Tagesschicht beim „Shoe-recycling“ verbrachten, kamen immer wieder Flüchtlinge auf uns zu, die ihre Schuhe bei uns putzen wollten. Niemals hätte ich daran gedacht, dass saubere Schuhe hier ein Thema für die Menschen sind – vielleicht weil ich meine fast nie putze. Aber daraus entstand die Idee für die Leute einen „Clean you own shoes“ – Stand aufzubauen. Mir gefiel der Gedanke, dass die Menschen eine weitere Form der Beschäftigung haben und wir ihnen dadurch ein Stück Normalität aber auch Menschenwürde geben können. Also begannen wir mit dem Bau eines Schuh-putz-Standes. Mit Spannung stellten wir unser kleines Projekt im Camp auf und mussten mit Freude feststellen, dass wir viele Menschen erreichen konnten. Es machte uns Spaß auf diese Art und Weise mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und Dankbarkeit zu erfahren, obwohl es sich dabei um eine kleine Sache handelte. Somit stand für uns fest, diesen Stand nun täglich unter Begleitung von zwei Volontär_innen anzubieten.

Wir waren zufrieden mit unserer Zeiteinteilung, so konnten wir dort mitanpacken wo es gebraucht wurde und nebenbei viele nette Menschen kennen lernen. Allerdings wurde uns auch deutlich, wie sehr man vom Wetter abhängig sein kann. Beispielsweise fielen Küstendienste aus, weil aufgrund des Gewitters niemand ankam oder wir unsere gewaschenen Schuhe nicht trocknen konnten, weil es regnete. Allerdings waren solche Tage nur vereinzelt dabei.

Bevor wir Lesbos am 5.März wieder verlassen mussten, machten wir einen Lebensmittel-Großeinkauf für die Leute in Idomeni. Wie wir erfahren haben, hängten dort mittlerweile 15.000 Menschen fest und die Versorgung war äußerst schwierig. So konnten wir auf der Insel mit unserem Spendengeld 30 Packungen Babymilchpuder + Fläschchen, Utensilien für den „Schuh-putz-Stand“ und diese Lebensmittel einkaufen. Außerdem konnten wir mit 300€ einer syrischen Familie mit 5 Kindern (eines davon im Rollstuhl) die Weiterfahrt nach Europa finanzieren. In der Nacht von 5. Auf 6. März versorgten wir also das Warehouse in der Nähe von Idomeni mit großen Mengen an Reis, Linsen, Sonnenblumenkerne, Gewürze und Tee. Zufrieden ging es nach anstrengenden zwei Wochen wieder nach Hause.